Ein erfolgreiches Team: So formen Sie es

7.1 Machen Sie aus einer Ansammlung von unterschiedlichen Individuen ein leistungsstarkes Team.

Verkaufsleiter machen sich gerne etwas vor. Sie sehen die Realität nicht, wie sie ist, sondern wie sie sie gerne sehen würden. Sie sprechen von „ihrem Team“. Dabei haben sie in ihrem Team nur eine Ansammlung von Einzelkämpfern, kleinen Grüppchen oder losen Interessengemeinschaften.

Eines steht fest, ohne ein funktionierendes Team im Rücken, können Sie als Vorgesetzter auf Dauer nicht erfolgreich sein. Obwohl der eine oder andere Einzelkämpfer akzeptable Leistungen bringt.

Der entscheidende Leistungsdurchbruch erfolgt erst dann, wenn es Ihnen gelungen ist, aus Ihren Mitarbeitern, mit all ihren unterschiedlichen Lebenstheorien, Persönlichkeiten und Leistungsvermögen, ein Team zu entwickeln.

Ein Team, dass bei aller Individualität der einzelnen Mitglieder, ein klares Ziel gemeinsam verfolgt und in dem jedes Teammitglied, im Rahmen seines Leistungsvermögens, seinen maximalen Beitrag zur Zielerreichung einbringt. Das bedeutet, ein Team versteht sich nicht als eine Ansammlung von gleichartigen, gleich denkenden, uniformen Mitarbeitern. Erst die unterschiedlichsten Persönlichkeiten mit all ihren Eigenheiten, Stärken, Schwächen und Macken, machen ein Team interessant, dynamisch und leistungsstark. Ihr Job als Vorgesetzter ist es, das Team zwar heterogen zusammenzusetzen aber zielorientiert auszurichten.So formen Sie Ihr Team:

7.2 Lernen Sie die Gesetze der Gruppendynamik kennen

Keine Angst, Sie brauchen kein Psychologe zu sein, um die Gesetze der Gruppendynamik zu verstehen (der versteht es auch nur theoretisch). Es erklärt sich ganz logisch aus dem gesunden Menschenverstand und aus der Beobachtung Ihrer Mitarbeiter. Denn Ihr Team ist auch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.

In den meisten Gruppen übernimmt ein Mitglied recht bald die Führer-Rolle (Alpha-Position).

Es ist die Person, die gruppendynamisch stark ist, mit dem größten Durchsetzungsvermögen und Machtwillen. Manchmal, aber nicht unbedingt, ist diese Eigenschaft noch gekoppelt mit einer hohen Qualifikation. Das bedeutet leider, das Alphatier muss nicht unbedingt auch der Leistungsträger sein. Die Mehrzahl der Gruppenmitglieder gibt sich, wie im richtigen Leben auch, mit der Mitläufer-Rolle zufrieden (Gamma-Position, Stimmvieh). Die Gamma-Leute orientieren sich an der Mehrheitsmeinung oder an der Meinung des Alpha-Kollegen. Sie äußern zwar ihre eigene Meinung, aber nicht mit der unbedingten Konsequenz. Sie sind nicht bereit, wenn es sein muss für ihre Meinung kämpfen.Wenn Sie Pech haben, haben Sie auch einen Mitarbeiter im Team, der teils durch eigenes Verschulden, aber nicht nur, von der Gruppenmehrheit gerne zum Sündenbock erklärt wird (Omega-Rolle). Teamwork im negativen Sinne können Sie dann beobachten, wenn die anderen Gruppenmitglieder einhellig Ihre Aggression und Schuldzuweisungen auf den Omega-Mann übertragen.

7.3 Analysieren Sie die gruppendynamische Stärke jedes Mitarbeiters

Nur wenige Menschen sind Vormacher, die meisten sind Nachmacher.

Die Vormacher gehören zu den gruppendynamisch stärkeren Mitglieder. Sie werden immer versuchen, die Gruppe für ihre Meinung einzunehmen. Die Mehrheit der anderen Gruppenmitglieder ist durchaus in der Lage, in der Gruppe ihre Meinung zu artikulieren, jedoch nicht mit dem Durchsetzungsvermögen und Ausdauer der gruppendynamisch starken. Gruppendynamisch schwache Mitglieder schließen sich gerne in ihrer Meinungsbildung den Starken an, hauptsächlich aus Bequemlichkeit.

Passen Sie auf! Gruppendynamisch stark muss nicht unbedingt Ihr qualifiziertester Mitarbeiter sein. Es ist vielmehr immer der Mitarbeiter mit dem größten Machtwillen. Er will auch der informelle Führer sein.

Es gibt in vielen Teams hoch befähigte Mitarbeiter, die aber als ausgesprochene Einzelkämpfer gruppendynamisch eher schwach sind. Im Berufsalltag bringen diese Einzelkämpfer ihren wertvollen Beitrag, wenn sie in ihrer gewohnten Sphäre nach ihren Regeln arbeiten können. Diese Spezialisten versagen, wenn sie sich in der Gruppe behaupten müssen. Akzeptieren Sie das. Man tut diesen Menschen keinen Gefallen, wenn man sie wegen ihrer hohen Qualifikation in eine Führungsrolle drängt.

In vielen Unternehmen gibt es hochqualifizierte, aber gruppendynamisch schwache Führungskräfte, die daran scheitern, dass sie von ihren Mitarbeitern nicht akzeptiert werden.

Eine Gruppe wird immer dem gruppendynamisch starken Mitglied folgen und der qualifizierte Einzelkämpfer wird in der Gruppe seine volle Leistungsfähigkeit nicht aktivieren können.

7.4 Sorgen Sie für eine stabile Gruppendynamik

Erschrecken Sie nicht, wenn Sie erstaunt feststellen, dass sich einzelne Mitarbeiter anders als Ihnen bekannt verhalten, sobald sie Teil einer Gruppe werden. Das ist nichts Widersprüchliches. Erst durch das flexible Anpassen des eigenen Verhaltens an die Gruppendynamik, ist das einzelne Teammitglied überhaupt in der Lage, sich konstruktiv mit anderen Meinungen auseinander zu setzen und mit anderen Individuen zusammenzuarbeiten. Ihr Beitrag als Vorgesetzter ist es, möglichst schnell für eine stabile Gruppendynamik zu sorgen.

Denn solange die Rangordnung innerhalb einer Gruppe nicht steht, kann nicht konstruktiv gearbeitet werden.

Sobald sich Menschen zusammensetzen, um gemeinsam etwas zu produzieren, beginnt, zum Teil sehr subtil und nicht immer bewusst, der Kampf um die Rangordnung. Das eigentliche Thema ist so lange sekundär, so lange keine Hierarchie gefunden wurde. Wie bei den großen Konferenzen der Weltpolitik, wird zunächst über Verfahrensfragen gestritten und das eigentliche Konferenzthema rückt in den Hintergrund. Steht die Rangordnung, dann kann die Gruppe harmonisch und ergebnisorientiert zusammenarbeiten. Bei Teams, die schon einige Jahre zusammenarbeiten, steht die Rangordnung. Die Gruppendynamik ist stabil. Werden Teams durch neue Kollegen ergänzt, braucht es seine Zeit, bis die Stabilität wieder hergestellt ist. Schalten Sie sich autoritär in die Teambildung ein, dann werden Sie kurzzeitig die gruppendynamischen Regeln außer Kraft setzen. Denn es ist ja klar, wer der Chef ist. Es finden keine Ranglistenkämpfe statt, aber es entsteht auch keine kreative und konstruktive Arbeitsatmosphäre. Und sobald Sie sich wieder ausblenden, geht der Ranglistenkampf weiter. Das Team kann dann noch nicht konstruktiv arbeiten. Machen Sie es geschickter:Geben Sie ein Thema vor und bitten die Gruppe, eine Lösung zu entwickeln. Das Thema, das Sie wählen ist völlig unerheblich. Es geht jetzt primär darum, dass die Gruppe sich in ihrer Rangliste findet und anfängt, gemeinsam die Aufgabe zu lösen.

Das bedeutet auch: halten Sie sich aus der Diskussion weitgehendst raus! Hat sich die Gruppe gefunden, dann erst ist sie reif für die wirklich wichtigen Aufgaben und kann als Team agieren.

Vorgesetzte und Mitarbeiter im Vertrieb sehen die Realität oft unterschiedlich:

7.5 Illusion und Wirklichkeit

Während ca. 65% der Verkaufsleiter glauben, in Ihrer Mannschaft herrsche Teamgeist, können das höchstens 30% der Verkäufer bestätigen.

Wie können Sie als Chef feststellen, dass Sie wirklich ein Team haben, statt einer Ansammlung von Einzelkämpfern? Das sind die Indikatoren:

  1. Die Mitarbeiter fühlen sich einem gemeinsamen Ziel verpflichtet.
  2. Die Strategie zur Zielerreichung ist allen bekannt und wird akzeptiert.
  3. Die Mitarbeiter äußern offen ihre Meinung.
  4. Die Mitarbeiter machen eigeninitiativ Vorschläge.
  5. Die Mitarbeiter gehen respektvoll miteinander um und helfen sich gegenseitig.
  6. Die Mitarbeiter sind stolz auf ihr Team und freuen sich, wenn sie gemeinsam etwas erreicht haben.
  7. Sie verteidigen das Team auch gegen Angriffe von außen.
  8. Die Teammitglieder achten darauf, dass jeder seinen Beitrag zum Teamerfolg leistet.
  9. Die Mitarbeiter sind an allen Zahlen und Fakten über den Leistungsstand des Teams interessiert.
  10. Es hat sich eine Rollenverteilung und Rangordnung herausgebildet, die von den Teammitglieder akzeptiert wird.